ZWISCHEN DEN WELTEN

In einer Zeit, die tiefgreifende und teilweise als einschneidend empfundene Veränderungen mit sich bringt, herrscht vielfach Unruhe, Angst. Das zeigt sich im inneren und äußeren Chaos. Und in diesem Chaos leben heute viele Menschen und flüchten dann in die scheinbar heile und sorgenfreie virtuelle Realität/Welt. Macht, Gier, Neid oder auch Angst haben die Herzen dieser Menschen aus dem Takt gebracht. Es scheint schwer bis unmöglich, aus diesem Kreislauf auszusteigen. Die Realität wird verdrängt und mit wenigen Klicks öffnet sich die „perfekte“ Cyberwelt in der jederzeit alles Unmögliche möglich zu sein scheint.

Haben wir nicht alles und von fast allem sogar mehr als genug? Unser Kühlschrank quillt, wie der Kleiderschrank, über. Selbst Portemonnaie oder Bankkonto sind nicht leer. Wir können aus mehreren 100 TV- und Radio-programmen auswählen, verfügen über ein Datenvolumen, das so groß ist, dass nahezu unbegrenzt und überall Videos, Musik, Bilder und Nachrichten heruntergeladen, angeschaut oder versendet werden kann. Wir kaufen online ohne echtes Gespräch und auch nicht mehr in einem realen Geschäft mit einem tatsächlich anwesenden Verkäufer. Die Suche nach dem Megadeal, dem Schnäppchen des Tages bestimmt das Kaufverhalten und frisst Zeit ohne Ende. Es wird, wie selbstverständlich, ein Artikel in 3 Größen und 4 Farben bestellt, nur um dann einen Teil oder alles wieder zurück zu schicken – dabei liegt der Fokus mehr auf der „kostenlosen Retoure“, statt auf fairem Handel. Zwischen den einzelnen Bestellungen wird kurz „gegoogelt“, ein Blog angeklickt und wie zufällig flattert die nächste Empfehlung für Kosmetik, Bekleidung, Einrichtung, Essen, Shopping usw. aufs Smartphone. Dank der ausgewerteten Kauf-, Surf- und Bewegungsdaten des Nutzers kein Problem. Der gläserne Surfer postet dann noch schnell ein paar ganz wichtige Nachrichten und Bilder per Social Media Apps an die 1000 und mehr Freunde. Die Gespräche und realen Diskussionen mit Freunden und Bekannten sind heute „old school“ und werden regelrecht blockiert. Kann es sein, dass das, was uns als Mensch so besonders macht, einfach auf der Strecke geblieben ist?

Sogar beim Essen, egal ob Zuhause oder im Restaurant, die virtuelle Welt ist immer und überall dabei. Liegt griffbereit auf dem Tisch oder fast auf dem Teller und kann im Lokal sogar die Begleichung der Rechnung übernehmen. Wie selbstverständlich ist das Smartphone in Büro, Schule, Kirche, Bus/Bahn, Kino, Auto dauerhaft online. Ob es wohl eine Statistik gibt, wie viele Handys einen Wasserschaden unter der Dusche erlitten haben, weil auch hier die Erreichbarkeit ganz wichtig ist? Irgendwie sieht es so für mich aus, als sei ein Großteil der Menschheit in eine virtuelle, emotionslose Online-Welt abgetaucht, in der vor allem die ständige Erreichbarkeit (24/7) zählt. Eine Antwort erst nach 3 Minuten kommt einer Beleidigung gleich und ein Funkloch einem GAU. Wie hat die Menschheit nur überleben können, als Briefe per Postkutsche noch Wochen oder Monate brauchten?! Und die Antwort noch einmal die gleiche Zeit – heute für viele unvorstellbar.

Ich möchte zu mehr echtem Dialog, Menschlichkeit und einem wieder erwachendem Miteinander aufrufen. Überlassen wir nicht einfach alles dem Smartphone oder Internet, sondern kehren in diese wunderschöne und vor allem reale Welt zurück. In dieser ECHTEN Welt gibt es Dinge die wir riechen, schmecken, sehen, anfassen und sogar fühlen können. Und dank unserer Sprache, Gestik, Mimik und Stimme haben wir unendlich viel mehr Möglichkeiten unsere Emotionen auszudrücken als mit einem Emoticon. Ein reales Gespräch mit einem realen Menschen, der Blick in die realen Augen eines realen Gegenübers, der Klang einer realen Stimme und die Begegnung mit einem realen Menschen sind durch keine App, keine virtuelle Realität oder einen Avatar ersetzbar. Wir sind einzigartig und real; können nicht per „copy and paste“  ersetzt werden. Unsere wichtigste Aufgabe besteht darin, dieses Leben bewusst und real zu LEBEN.

Natürlich ist es sinnvoll, die Vorteile der Technik zu nutzen. Auch ich bin, wie viele wissen, ein Technik-Freak und organisiere das eine oder andere per Smartphone/PC. Doch weiß ich: Smartphone, PC und TV haben einen Ausschalter. Diese kleinen, versteckt angebrachten Knöpfe nutze ich daher regelmäßig. Gerne schreibe ich noch Briefe von Hand auf Papier, führe Dialoge mit Menschen, bin verbindlich, ehrlich und eben „old school“. Doch diese Eigenschaft bewahre ich mir, denn sie ist unser aller Zugang zur emotionsreichen, fühl-, erleb-, spür- und riechbaren Freude am LEBEN. Auf die schlechte Kopie der virtuellen Welt könn(t)en wir alle gut verzichten. Oder?

Uns allen wünsche ich ein emotionsreiches, intensives, fröhliches, wahrnehmendes Jahr 2018. Möge es reich sein an lebendigen Gesprächen und wahren Begegnungen.

An dieser Stelle möchte, wie immer, darauf hinweisen, dass es sich hierbei um meine Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle handelt und jeder Leser bitte seine eigene Wahrheit einbringt und lebt.

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